Nachricht · 27. Mai 2020

Interview mit Mario Ruiz, Projektmanager bei CETAQUA

Mario Ruiz, Projektmanager bei Cetaqua, erläutert die Planung der Wasseraufbereitungsanlage von GUARDIAN und die vielen Nutzungen aufbereiteten Wassers.

„Mit Guardian sehen wir, dass es viele Einsatzmöglichkeiten für aufbereitetes Wasser gibt“

Das Projekt GUARDIAN verfolgt das Ziel, die Vorsorge und Widerstandsfähigkeit gegenüber Waldbränden im Parque Natural del Túria und in La Vallesa durch den Einsatz von aufbereitetem Wasser zu verbessern. Die von der Europäischen Union geförderte Initiative wird von der Stadtverwaltung Riba-roja de Túria geleitet, in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Paterna, Hidraqua, Medi XXI, der Universitat de València, der Universitat Politècnica de València und Cetaqua, Centro Tecnológico del Agua.

Die Gemeinden Riba-roja de Túria und Paterna sowie ihre Wohnsiedlungen liegen mitten im Parque Natural del Túria, wo ein hohes Waldbrandrisiko besteht. Im Rahmen von GUARDIAN wird eine Wasseraufbereitungsanlage (ERA) geplant und gebaut, die einen Teil des Ablaufs der Kläranlage (EDAR) Camp de Túria II behandelt. Das aufbereitete Wasser wird über installierte Wasserwerfer für die vorbeugende Bewässerung und die Pflege der Flächen eingesetzt, die die grünen Schutzbarrieren gegen Brände im Wald-Siedlungs-Grenzbereich des Gebiets bilden. So bietet das aufbereitete Wasser ein Instrument zur Abwehr dieses wachsenden Risikos, ohne dass Trinkwasser verbraucht wird.

Welche Rolle spielt Cetaqua im Projekt GUARDIAN?

Cetaqua ist für die Planung der Wasseraufbereitungsanlage (ERA) zuständig, die die Brandschutzsysteme mit Wasser versorgen und Wasser für die Renaturierung des Stausees von La Vallesa liefern wird. Gemeinsam mit HIDRAQUA, das für den Bau der Anlage und des Netzes für aufbereitetes Wasser verantwortlich ist, haben wir die Ausgangslage bewertet, die Anforderungen an die Aufbereitung festgelegt und die Anlagenteile dimensioniert.

Darüber hinaus werden wir den Betrieb der Aufbereitungsanlage hinsichtlich der Qualität des erzeugten Wassers und der damit verbundenen Kosten überwachen und kontrollieren.

Welche Lösung hat Cetaqua im Projekt GUARDIAN vorgeschlagen? Welche Rolle spielen neu auftretende Schadstoffe?

Die vorgeschlagene Lösung soll die Sicherheit des aufbereiteten Wassers gewährleisten und das Vorkommen neu auftretender Schadstoffe (Emerging Contaminants) minimieren. Wir bei Cetaqua haben eine Verfahrenskette auf Basis einer robusten und effizienten Lösung konzipiert: eine Ozonung mit anschließender Biofiltration. Diese Verfahrenskette zielt auf die Entfernung organischer Mikroschadstoffe (Arzneimittel, Körperpflegeprodukte, Pestizide) ab, die in kommunalem Abwasser und in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft regelmäßig vorkommen.

Gibt es Referenzen für den Einsatz von aufbereitetem Wasser in der Brandbekämpfung? Was sind die größten Herausforderungen?

Der im Projekt GUARDIAN vorgesehene Einsatz von aufbereitetem Wasser ist im Vergleich zu den üblichen Verwendungszwecken eine Neuheit. Das spanische Königliche Dekret 1620/2007 sieht Brandschutzsysteme zwar im Rahmen der städtischen Nutzungen vor, in unserem Fall handelt es sich jedoch um Brandschutzsysteme für forstliche Zwecke. Qualität und Sicherheit des aufbereiteten Wassers werden durch eine doppelte Desinfektionsbarriere aus Ozonung und Chlorung gewährleistet.

Welche weiteren Erfahrungen hat Cetaqua im Bereich der Wasserwiederverwendung gesammelt?

In den letzten Jahren hat Cetaqua an verschiedenen EU-geförderten Projekten zur Wiederverwendung von Abwasser gearbeitet, überwiegend kommunalen Ursprungs (LIFE aWARE, LIFE WIRE); inzwischen beschäftigen wir uns aber auch mit der Wasserwiederverwendung im industriellen Sektor. Derzeit leitet Cetaqua das Projekt LIFE Remine-Water, das Technologien für die Bergbau- und Metallindustrie bereitstellen soll, um Nebenprodukte zurückzugewinnen und abwasserfreie Prozesse (Zero Liquid Discharge) zu erreichen. Demnächst startet das Projekt H2020 B-Water Smart, in dessen Rahmen Cetaqua in Alicante das erste Living Lab für Wasserwiederverwendung in Spanien einrichten wird.

Außerdem beteiligt sich Cetaqua am Projekt REGIREU, das vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung der Europäischen Union über die Wassergemeinschaft RIS3CAT kofinanziert wird. Ziel ist es, innovative und weltweit wettbewerbsfähige Technologien zu entwickeln, um die wichtigsten technischen Hürden zu überwinden, die der Wiederverwendung von Abwasser im städtischen, industriellen und landwirtschaftlichen Bereich im Weg stehen.

Wo sieht Cetaqua das größte Potenzial zur Förderung der Wasserwiederverwendung?

Derzeit wird aufbereitetes Wasser vor allem für die landwirtschaftliche Bewässerung genutzt. Wie wir jedoch im Projekt GUARDIAN sehen, gibt es noch viele mögliche Einsatzbereiche für aufbereitetes Wasser, die dazu beitragen könnten, konventionelle Wasserressourcen für anspruchsvollere Nutzungen freizuhalten.

Im industriellen Bereich stellen wir fest, dass sowohl die interne Wiederverwendung von Industriewasser als auch die industrielle Nutzung von aufbereitetem kommunalem Abwasser an Bedeutung gewinnen. Immer mehr Unternehmen möchten sich als Vorreiter der nachhaltigen Entwicklung positionieren und ihre Umweltauswirkungen verringern. Die Wasserwiederverwendung ist dabei ein Schlüssel zum Erreichen dieses Ziels.

Welche Rolle sollte die Wiederverwendung in der Wasserwirtschaft spielen?

Wir bewegen uns auf ein Modell der Kreislaufwirtschaft zu, in dem die Wasserwiederverwendung eine Schlüsselrolle spielt.

Die technischen Hürden für die Erzeugung von aufbereitetem Wasser haben wir überwunden. In den kommenden Jahren müssen sich die Anstrengungen darauf konzentrieren, die sozialen, wirtschaftlichen und Governance-Hürden anzugehen, um das Potenzial der Wiederverwendung voll auszuschöpfen. Initiativen wie B-Water Smart mit seinem Alicante Living Lab für Wasserwiederverwendung werden nützliche Instrumente sein, um Wiederverwendungsprojekte voranzubringen und aufbereitetes Wasser gemeinsam mit den übrigen verfügbaren Wasserressourcen zu bewirtschaften.

Alle News ansehen

Eine übertragbare Lösung

GUARDIAN zeigt, dass aufbereitetes Wasser den Wald-Siedlungs-Grenzbereich schützen kann. Sprechen Sie uns an, wenn Sie das Konzept in Ihrer Gemeinde umsetzen möchten.